Archiv der Kategorie: Kuba 2016

Das Tagebuch einer Kubareise im Frühjahr 2016

Nachmittag, Trinidad – Sat Mar 12 19:00

In der Stadt lässt sich fein bummeln, das Fuß-schonen endet in einigen Snacks und noch mehr Souvenirlädchen. Finden ein paar nette Dinge und andere merken wir uns. Voll ist die Stadt mit Touristen, ich kann kaum mal Fotos ohne oder mit wenigen machen. Mal wieder werden wir auf der Straße wegen Zigarren angequatscht, und weil mein Mann neugierig ist, reagiert er darauf und der Kubaner führt uns in ein Haus, in dem im Eingangsflur die Oma auf einer Röhre fernsieht, ein kleiner Junge mit Plastikpistolen spielt und der Kumpel im fraglichen Zimmer erst aus dem Bett bugsiert wird. Auf dem Bett im Nebenzimmer breitet er dann das Angebot aus, mein Mann schaut, ich bleibe in der Tür stehen; ganz geheuer ist es nicht. Aber alles gut. Zum Probieren sucht mein Bär ein kleines Päckchen für 10 CUC aus – reicht, um herauszufinden, ob oder was an den Warnungen dran ist. Die Zigarren von unserem Tabakpflanzer waren quasi auch von der Straße und gut! Für den Vergleich gehen wir dann in einen offiziellen Laden und kaufen da auch ein kleines Päckchen. Den Zigarrenschneider haben wir schon gemeinsam mit meinen Souvenirs erstanden. 😉

Beim Postkartenstöbern kommt mir die Idee, wenn, dann Karten in S/W zu verschicken. Wenn ich schöne finde – das ist nicht so ganz einfach.

Trinidad – Sat Mar 12 14:00

Trinidad ist kleiner als gedacht und hat noch großteils Kopfsteinpflaster. Die Casa-Umsortierung klappt gut. Unsere geplante Wirtin, deren Mutter gestorben ist, bringt uns eineinhalb Straße weiter zu der neuen Casa. Außen pfui, innen hui gilt hier wohl öfter. Unsere neue Casa ist sehr hübsch, farbenfroh, nett verwinkelt, gut in Schuss und geschmackvoll eingerichtet mit beigen Zimmerwänden (Außenmauer zur Straße in fuchsia, Frühstücksterrasse zwischen kräftigem rot und türkis, Dachterrasse noch neu und ohne Farbe). Nigelnagelneues Bad mit Fön (wer braucht das hier?!), extra Zimmer für den obligatorischen – und notwendigen – Kühlschrank. Wir stellen die Möbel um, so dass wir mehr Platz haben und die Tür zum Kühlschrankraum (der viel Fenster und keine Beschattungsmöglichkeit hat) schließen können. Mein Mann sagt, wenn unser Hotelzimmer auf diese Art ist, würde ihm das sehr gefallen.

Apropos Mann: meiner hat Schmerzen am Fuß seit gestern, wir sind etwas fußlahmer als sonst. Heute schonen wir ihn und bleiben nur ein bisschen in der Stadt, damit wir morgen hoffentlich wandern können.

Adios, Cienfuegos – Sat Mar 12 10:00

Unsere Casa hat einen riiiiesigen, amerikanischen Kühlschrank und eine Mikrowelle; so ein Mikrowellen-Ping hatten wir lange nicht gehört.
Frühstück wieder ähnlich mit Obst (Banane, Ananas, Guave und Papaya), frischem Obstsaft, Kaffee und Milch, zwei Eiern nach Wunsch, Brot und Honig. Marmelade und weiche Brötchen sind hier eine Besonderheit.

Bevor wir fahren, berichtet Maria (größtenteils Englisch), dass unsere Agentur aus Havana angerufen hat. In der Familie unserer nächsten Casa in Trinidad gab es einen Trauerfall und die Familie ist unterwegs deswegen. Wir sollen jemanden (Agelina…) vor dem geplanten Haus treffen, die uns zur Ersatz-Casa bringt.

Lonely travellers, Cienfuegos – Fri Mar 11 21:00

Gut gegessen im Bouyon 1825, mit Rind (ergo ein staatliches Restaurant, die haben auf Rind ein Monopol), Huhn, Flan, Kuchen und Beilagen.
Lustig ist, dass man manche Touristen häufiger sieht: beim Snack am Mittag, beim Sightseeing zu Fuß, beim Dinner abends. Gibt einige Leute, die mit dem Lonely Planet reisen, das fällt hier in Cienfuegos besonders auf.
Den Sonnenuntergang haben wir nur von Ferne gesehen – passte nicht. Aber das Städtchen bei Abendstimmung ist auch toll!
Autos sind hier – wie wohl überall auf Kuba – lustig gemixt mit Oldtimern, ’neueren‘ Modellen (nur 20-30 Jahre alt), Mopeds, Tuktuks, Fahrrädern, Fahrradtaxis und Fuhrwerken, aber es stinkt nicht so übel wie in Havana, eigentlich gar nicht. Sehr irritierend: ab und zu gibts ein Elektromoped, leise und ganz ohne Abgas.

Wir beschließen den Abend mit Cuba Libres und Zigarre auf dem Balkon unserer Casa im ersten Stock, mit Blick auf den Parque Jose Marti.

„Granada“, Cienfuegos – Fri Mar 11 16:30

Spazierenschlendern durch Cienfuegos (… Ich muss bei dem Mittelteil des Namens immer an Harry denken ;)) ist sehr nett und entspannend. Tolle Häuser hier, französisch-kolonial angehaucht, bisweilen mit maurischem Touch. Es gibt Fußgängerstraßen mit Geschäften, in denen Ware liegt – beides ungewöhnlich.
Wasser auf zwei Seiten, Dachterrasse mit Sonne und Saft (aus Tetrapak – hab ich zu spät gesehen). Im feudalen Club Cienfuegos ein Espresso. Von hier hat man tollen Blick auf den Hafen und wahrscheinlich Sonnenuntergang. Aber erstmal zurück zur Casa, Sonne und Sauerstoff machen müde. Nehmen daher ein Fahrradtaxi.

Oh, auf dem Weg einen Minisuper gesehen, den ersten Laden, den man Supermarkt nennen darf, von Größe und Bauart her. Rumpreise sind auf Kuba identisch, die Regale lassen eine größere Auswahl vermuten, als es sie hat, aber immerhin sind sie gefüllt. Milchpulver kann man hier kaufen – wichtig für originale Pina Coladas. Und wir haben zum ersten Mal lokale Peso untergejubelt bekommen, eine 3 Peso-Münze. Für die Sammlung – ist Che drauf, die nehm ich gern.

Cienfuegos ♥ – Fri Mar 11 12:00

Cienfuegos hat uns auch lieb. Bisschen wie Vinales: fein und nett, trotz seiner Größe. Toller baulicher Zustand – UNESCO sei wohl Dank.
Unsere Casa Maria di Lourdes ist erst schwer zu finden, aber gefunden dann sehr nett, geräumig und sauber. Die Casa liegt direkt neben dem schönsten Platz der Stadt.
Bad mit Badewanne, Bidet, Ablagefläche, großem Spiegel und heißem Wasser mit Wasserdruck (alles nicht selbstverständlich). Im niedlich verwinkelten, ballettschuh-beigen Zimmer haben wir reichlich Platz und Außenfenster an drei Seiten. Es gibt zwei verschmuste und zutrauliche und ein schüchternes Gastkätzchen sowie einen Gasthund. Maria hat die Tiere von der Straße geholt. Wir trinken Ananassaft zur Begrüßung. Schön hier.

Auf dem Weg hierher das wundervolle Türkis der Schweinebucht bewundert. Das sehr seicht abfallende Wasser ist mächtig malerisch. Hachz.
Die Straße hierher (über Land) war übrigens erstaunlich gut und sehr wenig touristisch; zwischendurch gabs nicht mal Casas und Dörfer, in denen wir das einzige Auto zwischen Pferdefuhrwerken waren. Bis zu 80 km/h – das hatten wir im Norden ganz anders.

Ohrwurm dieser Reise, Playa Larga – Thu Mar 10 22:00

Aruba, Jamaica, uh, I wanna take ya
To Bermuda, Bahama, come on pretty mama
Key Largo, Montego, Baby why don’t we go
Down to Kokomo, we’ll get there fast, and then we’ll take it slow.
Thaaats where we wanna go – way down to Kokomo

Vermutlich ist es aus heutiger Sicht ziemlich trashig, aber ich mag Cocktail mal wieder schauen. 🙂

Übrigens macht man Pina Colada hier mit Milchpulver. Sahne gehört da nicht rein, genauso wenig wie Limette in Mojito.

Chuchi Pescador, Playa Larga – Thu Mar 10 21:00

Abends Meereszeug in Marios Empfehlung gegessen: Languste, Fisch, Kalamaris und eine große Muschel. Die Muschel war nicht so meine, alles andere sehr gut, für vergleichsweise kleines Geld. Feiner Abend.

Der Sonnenuntergang hatte wenig Wolken, war daher eher unspektakulär. Das können wir hier an der Südküste aber noch ein paar Mal machen, und auch in unserem Insel-Strandhotel müssten wir Blick nach Westen mit Wasser finden.

Atardecer, Playa Larga – Thu Mar 10 18:00

Wir sind hier Südküste, da könnte man Sonnenuntergang haben.
Also suchen wir uns ein Plätzchen, von dem man Wasser in Richtung Sonne hat und warten. Andere Touristen kommen auf dieselbe Idee und gesellen sich dazu.
Die Getränkebude sieht geschlossen aus, aber jemand geschäftstüchtiges wuselt dahinter. Da nehmen wir Kubas Freiheit.
Und warten.

Bei fast jedem Ort (bis auf Vinales) brauchen wir ein bisschen, um mit dem Ort warm zu werden. Auch hier fühlen wir uns jetzt wohl. Hat seinen Charme.
Diese Unterkunft ist vermutlich die bestsituierteste oder die mit den besten Beziehungen bisher: es gibt zweilagiges Klopapier, die Mc Ilhenny Tabascososse, Nestle-Kakao und einen großen Flachbildfernseher mit Spielekonsole.

Las Salinas & Playa Larga – Thu Mar 10 16:00

Geführte Tour ist nicht ganz einfach. Man ‚einfach‘ soll zum Büro kommen, aber dann sind gerade alle Führer unterwegs und der ältere Herr muss (ein paar Mal…) fünf Minuten was organisieren, bis er das Büro dicht macht und selber unsere Tour übernimmt. Mit einem Taxi und einem Bus im Schlepptau gehts dann endlich los, aber er sitzt bei uns im Mietwagen und sagt „you are first“. Mi esposo sieht mehr von der Straße als der Landschaft. Mario, der Senior, nimmt sich Zeit, leitet uns zu den Lagos und zeigt Vögel, wo immer einer auftaucht. Wegen dem mucho viento nicht so viele, wie es könnte, aber schön ists allemal. Spannend: Mario sagt, 55% seiner Gäste seien Deutsche, die ja aber nur einen kleinen Teil der gesamten Touristen ausmachen. Deutsche müssten die Natur wohl lieben.
Spannend-skurrile Landschaft, da im Nationalpark. Natürliche Salinen, teils Frisch-, teils Mischwasser, viel Mangroven. Ich finds gut, dass man nur mit Führer herkommt – da können Leute weniger Blödsinn machen. Meinem Papa hätte das gefallen, Vögelbeobachtung. Wir erwischen wegen dem Wind nur einen kleinen Trupp Flamingos und einzelne Pelikane, Geier, Reiher.
Nach etwa 3 Stunden sind wir zurück in der Casa. Kleinen Imbiss, Dankeschön an Mario (Diclophenac kennt er und kommt besonders gut an bei ihm, für die Beine muy importante – das freut uns) und dann am Strand spazieren, mit Kaffee und Erfrischung.
Für den Abend sind wir in Marios Restaurantempfehlung angemeldet. Mmmmh.

Ich glaube, wenn mein Handy mal wieder Internet hat, wird es unendlich viele Updates und Mails laden.

Dinner und Nacht, Playa Larga – Thu Mar 10 08:00

Der Fisch gestern abend in der Casa war großartig; nachmittags wurde er schon an uns vorbeigetragen. Helles, festes Fleisch, gut gebraten, Gräten in leicht identifizierbarer Größe ;). Mjam.
Dazu gabs auch hier eine Auswahl an Beilagen mit Tomate und Gurke, Reis, Kartoffeln, gebackene, warme Maisdingsies, Obst,… – und fast alles irgendwie mit Knoblauch, was den Geruch in unserem Zimmer erklärt.

Ein Getränk bei Franks, und danach heim und ins Bett. Wir schlafen hier viel, auch mangels Alternativen am Abend 😉
Nachts ists ziemlich ruhig im Ort, und auch in der Küche nebenan. Wir werden trotz anderer Befürchtung nicht von Moskitos gefressen.

Ob ich Postkarten schreibe, entscheide ich in unserem Strandhotel auf der Insel.

Karibik, Playa Larga – Wed Mar 09 17:00

Bisschen durch (den Ort) Playa Larga und an selbigem Strand spaziert, herausgefunden, wo wir Geld tauschen können und wo eine Tour in den Nationalpark machen. Kaffee und Eis organisiert, mit Hin und Herlaufen, aber erfolgreich, und dann genossen. Gibt halt nicht in jeder Strandbar beides, und an einer auch nix von beidem.
Füße in karibisches Wasser getaucht – warm wie Badewanne :), Seesternchen, Hundewelpenbande und Menschen beobachtet.
Strand und Wasser sind sehr schön, feiner, heller Sand, sacht abfallend, stetige Brise und Wellen, Palmen und Bäume, nicht sehr voll. Klassische Karibik.
Das (eine) Hotel hier ist eher eine Sünde und dessen Service auf staatlichem Level. Die Mini-Betonbunker mit Schießscharten könnten vom Angriff der Amis übrig sein, wenns das ist, wonach es aussieht.
Mein Mann sagt, der Ort hat Potential :).

Als wir zurückkommen, riecht unser Zimmer nach Knoblauch. Die Mücken stört es leider nicht, mein Mann lebt seinen Jagdinstinkt aus, nachdem die Biester ihn nachgewiesenermaßen mögen. Gin Tonic wäre gut.

Casa Frank „um die Ecke“ hat eine Dachterrasse mit Bar. Da mag ich nach dem Essen was trinken

Playa Larga – Wed Mar 09 12:30

Angekommen an der Schweinebucht, Bahia de Cochinos. Der Ort Playa Largo wirkt wie eine Wohnwagensiedlung. Ist sie aber nicht, ist nur neu. Viele unfertige, niedrige Bauten, noch keine Straßennamen. Wir suchen die Anschrift ‚an der Kreuzung links‘ und lassen uns helfen.

Hier schlafen wir im Hostal Yosvany, in apricot, direkt neben der Küche (heisst: Fenster zur selbigen), in der die Familie trubelig lebt. Mal schauen, wie das nachts wird, geräuschetechnisch. Auch hier sind meine Brocken Spanisch wieder nützlich bis notwendig.
Zimmer und Bad sind okay und sauber, eine uralte Klimaanlage schaltet man über eine Sicherung. Leider kein Fenster nach draußen, aber für zwei Nächte wirds gehen. Die Matraze wirkt angenehmer als die letzte, von der mein Mann sagt, wir hätten auf einem Sack Schrauben geschlafen (und dafür erstaunlich gut).

Zur Begrüßung ein Cuba Libre. Ich möchte Havanna Club-Gläser für zuhause! Wo kauft man sowas hier?

Nagellack, Soroa – Wed Mar 09 09:30

Viel machen kann man nicht in Soroa, daher sind wir nicht böse, weiterzufahren, auch wenn die Familie der Casa wirklich sehr nett ist. Weil die Versorgung hier in dem Käffchen schwierig wirkt, lassen wir einige mehr Mitbringselgeschenke als sonst da; die sind hier gut aufgehoben, wie wir denken.
Oma und Mutter danken uns sehr, das Ibuprofen wird erkannt, eine der zwei netten Schreibkladden drückt die Oma begeistert an ihr Herz. Alles gut, alles hilfreich wird mir irgendwie versichert, und sie untersuchen, ein bisschen von mir erklärt, was da auf dem Bett liegt. Weihnachten. Ich bin froh, keinen Schrott angeschleppt zu haben.
Die Oma hört irgendwann nicht mehr zu, verzückt und höchst konzentriert lackiert sie ihren linken Daumen und strahlt. Das war der bestgekaufte Nagellack ever, ihren Blick werde ich nicht vergessen. Magischer Moment. <3
Strahlende Gesichter, großer Dank und feliz viaje Wünsche begleiten uns.

Lost en Cuba, Soroa & Las Terrazas – Tue Mar 08 16:00

Heute waren wir bei der Dharma Initiative, glauben wir. Las Terrazas wirkt wie in der Serie, ein künstlich angelegtes Dorf mit Selbstversorgung und – natürlich – alten Autos. 🙂 Nett zum bisschen laufen, gucken, üppigen Regenwald ringsherum genießen, 2 Kaffee und 1 Cuba Libre für etwas über 3 CUC. Auf dem ausgefahren Weg lag ein kleiner Epiphyt – mal schauen, ob ich ihn nach Deutschland retten kann.
Wir haben wieder Wetter: Sonne, nicht schwül, ziemlich warm. Schwül war es nur in Havana bisher – ist das geografisch begründet oder nur zufälliges Timing?
An einer Restaurantanlage gabs tolle kubanische Musik und WLan, aber für uns kein Internet.
Auf dem Heimweg die erste Tankerfahrung gemacht.
Unsere Gastwirtin begrüßt uns mit Mojitos.
Ich glaube, diesen Sommer werden wir viel Rum trinken.

Oh, eine Flasche Rum und zwei Dosen (lokale) Cola gabs im Set für 4 CUC.

Meine Dracenapalme muss ich umtopfen. Die kann anders, sehe ich hier 😛

Unser Auto, übrigens: ein Asiate, erst 20.000 km gefahren, also sehr ermutlich aus diesem Jahrtausend, mit Technik vielleicht aus den 80er, und gefühlt schrecklich klapprig; kein Wunder bei den Straßen. Schaltgetriebe, Klimaanlage, Scheibenwischer, zentrale Aufriegelung. Die Sitze haben Potential, mich wahnsinnig zu machen, weil man nur drin hängen kann. Aber er fährt und qualmt nicht wie die alten Wagen.
Alleine am Baujahr erkennt man uns als Mietwagen/Touristenauto.* Einheimische fahren Oldtimer, Einspänner oder Moped.

Mein Mann ist heute „offiziell nicht lecker“ für Mücken, die mich bisher fast völlig ausgespart haben. Mal schauen, ob sich das heute Abend ändert.

* Später in DE haben wir nach dem Modell gegoogelt: es ist ein Chinese, für den Lateinamerikanischen Markt produziert, für etwa sieben Tausend USD. Nach einem Crash Test war die Aussage, dass ein Air Bag in diesem Wagen völlig verschenkt sei, weil die Karosserie drumherum nicht stabil genug dafür sei.

Essen in Soroa – Tue Mar 08 08:00

Wir essen auf unserer innenliegenden Veranda, umgeben auf zwei Seiten von hängenden Orchideen (leider keine Blühende) und auf einer von einem großen, bunten Croton-Busch, wie in den Erzählungen von Michener.
Zum leckeren (frittierten?) Schwein gibts Reis (ohne Reis ist es kein Essen für Kubaner), etwas grünen Salat mit Radieschen und Möhren in dünnen Scheiben, Kürbis in Sternform, Kartoffelchips, davor eine Nudelsuppe.

Zum Frühstück gibts hier Milch und Kaffee, Mangosaft, das typisch luftige Brot, Butter, Honig aus einem Bärenspender, Tortilla mit Zwiebeln und Tomate, Baguette mit Käse und Schinken und einen Obstteller mit Ananas, Banane und in Sternchenform geschnittener Papaya. Alles für jeden einzeln portioniert und angerichtet.

Die ganze Familie, bis auf den Junior, hilft beim Servieren, das heisst Oma, Opa und Mutter stürzen immer gleichzeitig mit diversen Tellern zu uns. Seeehr knuffig.

Soroa – Mon Mar 07 18:00

Heute dann Fahrt nach Soroa, auch für zwei Nächte. Auf dem Hinweg einen Stop in Pinar del Rio versucht, aber: in die Zigarrenfabrik durfte man keine Tasche mitnehmen, nicht fotografieren, und die ganze Welt drumherum wollte einem Zigarren anderswie/anderswo verkaufen. Das war nicht sympathisch, also sind wir nach wenigen Minuten zurück zum Auto und weiter gen Soroa gefahren. Großteils Autopista, die beste Straßen hier auf der Insel, aber auch das heißt: Löcher, Spurrinnen, Macken in der Straße, ebenso wie Anhalter, Fuhrwerke mit Pferd und Fahrräder auf der Straße. Da es nur sehr wenig Verkehr außerhalb der Städte gibt, ists nicht so schlimm, wie es klingt. Aber bei 80 km/h gibts dann Geschwindigkeitsrausch und alle Entfernungen dauern länger, als man es bei uns kennt. Muss man einplanen.

Soroa ist ein minikleiner Ort, unsere Casa Los Helechos finden wir trotz komischer Anschrift gut und leicht. Zum ersten Mal haben wir es hier mit jemandem zu tun, deren Englisch und Deutsch deutlich schlechter ist als mein Spanisch, da nicht vorhanden :). Mit dem, was ich kann, und ihrer – in einem Schreibheft handgeschriebenen! Super süß! 🙂 – Vokabelliste finden wir alles heraus, was nötig ist – juhu! Wir melden uns für den Abend zum Essen (Schweinefleisch, der Rest wird eine Überraschung) an und bestellen Frühstück für 8 Uhr. Das mintfarbene Zimmer ist nicht so super schön und nicht perfekt sauber wie in Vinales, aber völlig in Ordnung. Ich mag die kleine Eidechse im Bad und unseren Sitzplatz draußen, wo wir auch essen werden.

Was macht man am Nachmittag?
Orchideengarten, Castillo mit Aussicht und Wasserfall klingen nett. Ist alles nicht weit weg, also gehen wir zu Fuß. Dass es bergauf gehen würde, hatten wir nicht bedacht, und alles zusammen kommen wir auf einen 10 km Marsch, der es mit dem Anstieg in sich hat, mal so eben. Das Castillo ist voll süß! Würden wir sofort als Ferienwohnung in Südtirol nehmen. Wird aber gerade zu einem Boutiquehotel umgebaut. Der Orchideengarten/Park ist toll angelegt und hat wundervollen alten Baumbestand; macht viel Spaß, durchzustromern! Der Salto – naja, war halt auf dem Weg und ist nett, aber die 22 Meter können uns nicht flashen.

Schon erwähnt? OpenStreetMaps ist super!

Dusche mit lauwarmem Wasser, bisschen ausruhen, und dann gibts Abendessen.

Vinales mit Zigarren und Aussicht – Sun Mar 06 17:30

Tolle Touren heute. Zuerst mit Alexis direkt in die Umgebung, mit einer wirklich netten, europäisch gemischten Gruppe (zwei Dänen, zwei Holländer, vier Briten zu und wir), in der gescherzt und politisiert wurde („wollt ihr uns (=UK) dabei haben?“). Alexis gehört zu denen, denen man Paderborn mit dem Aufstieg des SCP erklären kann – auch hier zwischen Tabakfeldern in Westkuba ;). Viel gehört zu Vegetation, Tabakanbau und Zigarrenproduktion, Hoffnungen und Problemen, Zigarre gepafft (auch ich, first time ever! Den Geschmack auf der Zunge mag ich nicht, den Duft schon) und mehrere gekauft (beim Erzeuger), Pina Colada getrunken. Toll.
Die Briten könnten wir in Trinidad wiedertreffen – das wäre sehr cool. Diese junggebliebenen Rentner machen viel Spaß, Carol mit rosafarbener Mütze mit Flamingoanstecker und spitzen Bemerkungen über ihren Premierminister. Love her.

Später dann wollten wir – in dem Fall: ich – eine schöne Aussicht auf das Tal von Vinales, da wir morgens nur durch gelaufen waren. Es gab vier Tips von unserem Osmany, und der erste war – zumindest für wanderfreudige Deutsche wie uns – in Fußwegreichweite. Also los. Mit allen Pinas und Bieren sollten wir nicht mehr fahren. 🙂 Hin durch Felder (Tabak, Mais, allerhand kartoffelige Wurzelgemüse), dort traumhafte Aussicht auf das Tal mit Kaffee, Saft und Bier und zurück durch einen Fichtenwald. Netter Marsch. Kurz vor der Rückkehr nach Vinales haben wir Kinder getroffen, bei denen einige unsere Mitbringselgeschenke gut aufgehoben waren. Zuhause in der Casa entspannen unsere Füße vor dem Abendessen, mit Cuba Libres in ‚unseren‘ Schaukelstühlen. Kubanische Verandas sind bunt wie die Häuser (wenn man an Farbe kommt), liegen nach vorne zur Straße und sind immer mit Schaukelstühlen bestückt. Wie gesagt: das Wohnzimmer ist auf der Straße.

Apropos: Open Street Maps ist fantastisch für Kuba! Damit kann man gut laufen. Bin Fan geworden.

Übrigens: unsere Vermieter/Taxifahrer/Touristenführer hatten bisher allesamt studiert und sind gut gebildet. Aber im Tourismus verdient man besser :/ Dies Land hat Potential, reichlich! Bildung ist nicht der Schwachpunkt.

Nochmal übrigens: Spanische Vokabeln lerne ich weiter mit Babbel.
Hier vor Ort erkenne ich einiges, aber manches wird kräftig verschluckt und dauert beim Wiedererkennen.

So ohne Internet ist die Welt sehr weit entfernt. Schöne Variante. Und Entzug funktioniert. 😛
Auch wenn ich gern für Bologna und London zwei-drei Sachen nachschauen würde…
(Vorhin kam die SMS mit Tarifinfo zu Kuba auf meinem Handy an. Hm.)

Heute abend folgen wir der britischen Empfehlung in eine Pizzeria. Da gibts nach deren Aussage die beste Pina Colada. Müssen wir testen, und wenn es das letzte ist, was wir (…heute…) tun 😉