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Insel 2: Nevis

Nerdwissen to go:

  • Teil des Inselstaats St. Kitts and Nevis
  • Hauptstadt Charlestown
  • 11.500 Einwohner (auf Nevis)
  • von Kolumbus 1493 entdeckt, Santa Maria benannt, aber der Name Nevis des höchsten (wolkig-weißen) Gipfels hat sich durchgesetzt
  • Karibisch, zuerst französische, danach britische Kolonie
  • seit 1983 vom Vereinten Königreich unabhängig und freiwilliges Mitglied des Commonwealth
  • Linksverkehr
  • Alphabetisierungsrate von 98%

Wir so:

Morgens schaukelt das Schiff gar nicht mehr so doll, wir fahren aber wie am Vorabend und das Meer ist auch nicht stehen geblieben – wir gewöhnen uns schon. Oder: die Segel sind eingeholt und wir fahren anders, weil mit Motor. Werden wir beobachten. In jedem Fall: ich bin ja eigentlich nicht seefahrtauglich. Ich verspüre aber keinerlei Anflüge von Köddrigkeit. Tschakka!

Kurz nach Frühstück und der zweiten mandatory Sicherheitsübung dann eine Vorstellung von Kapitän und Crew. Seeehr humorvoll und sweet. Kapitän Dominique ist Belgier und buhlt auf charmante Art mit dem Koch um Beliebtheitsgewinner, der Kreuzfahrtdirektor ist ein Bayer namens Peter, und seit 28 Jahren auf demselben Schiff wie seine Lebensgefährtin Marietta (Spa).

Dann ankern wir vor der ersten anderen Insel – voll spannend! Nevis ist allerdings ein Nest. Es gibt Tenderservice (also Shuttle per Rettungsboot auf die Insel) zur Stadt und zu einem Badestrand. Wir fahren in die Stadt, spazieren zum Strand und nehmen da das Boot zurück. Das klingt knapp, aber weil Sonntag ist, hat nur die Kirche auf, und nach Rundfahrt war uns nicht, daher war das ein schöner Ausflug mit Spaziergang.

Kolonialige Gebäude gibt’s ein paar, Linksverkehr ist irritierend. Die Aussicht auf unser schönes Schiff toll! Auf dem Rückweg frage ich beim Tendern, ob ich zum Fotografieren aufstehen darf. Prompt wird das Boot gewendet, so dass ich im Sitzen wunderbare Perspektiven auf die Star Flyer habe. Sehr lieb!!

Sowieso, schon nach einem knappen Tag: was für ein schönes und entspanntes Schiff! Alleine wegen der Größe muss man nirgendwo lange – wenn überhaupt – anstehen, Essensqualität ist wirklich gut, immer freie Plätze im Restaurant mit Bedienung a la Carte. Die ganze Crew ist sehr hilfsbereit und freundlich, auch der Frog wird von unserem Zimmerservice berücksichtigt. Und was für Event, jedes Mal, wenn die Segel gehisst werden! Spannend und gleichermaßen super entschleunigend. Heute mit anpackenenden Gästen.

Wir bleiben nach Abfahrt und Segelhissen bis nach dem Sonnenuntergang, sehen wegen kleinen Wolken keinen grünen Blitz, aber 3 bis 4 Delphine, die uns kurz begleiten.

Dieses Schiff ist *wirklich* etwas völlig anderes als die üblichen, großen motorgetriebenen Kreuzfahrtschiffe, hier kann ich mir gut vorstellen, nochmal mitzufahren.

Oh. Mein. Gott.

Dieses Schiff ist eine unfassbare Schönheit.

Gepäckaufgabe, Sicherheitscheck, Immigration und Boarding liefen fließend und nur mit kurzem Anstehen. An Board ein Welcomedrink und Snack, Auspacken, schnell (weil nur noch für 2h möglich) ersten Ausflug buchen und die übliche Sicherheitseinweisung und -übung.

Dann Schiff erkunden, staunen, Getränke und Schwätzchen mit Mitreisenden. Mit zwei Amerikanern hatte der Frosch schon beim Boarding Bekanntschaft gemacht – mit der sympathisch schwatzhaften Roseanne und ihrem Bob landen wir auch zum Essen an einem Tisch. Verschiedenes a la carte zur Auswahl, wir probieren und sind spontan sehr von der Kreativität und Qualität angetan, es gab zum Beispiel Bananen-Shrimps-Salat mit Apfel. Bei den Weinempfehlungen war ein Sancerre dabei – sehr feiner Start.

Nach dem Dinner, gegen 22:00, fahren wir los, gleichzeitig mit einem anderen Schiff. Mit Motor weg von Mole und dann sofort Männer an Seile. Wir verstehen nicht im Einzelnen, was sie tun, aber es ist ein besonderer Anblick, als die Segel sich peux a peux ausrollen und entfalten und in Position gebracht werden, anfangs begleitet von Vangelis‘ Conquest of Paradise. Schööön.

Müde, Koje. Das Schiff liegt schräg im Wind und schaukelt. Ich kann nicht rausfallen und fühle mich ein bisschen wie in einer Hängematte. In den Schlaf gewiegt wurde ich lange nicht mehr.

Insel 1: Sint Maarten

Nerdwissen to go:

  • Sint Maarten ist ein autonomes Land innerhalb des Königreiches der Niederlande, liegt auf der Insel St. Martin, die zwischen Frankreich (französisches Überseegebiet namens Saint Martin) und den Niederlanden geteilt ist
  • Hauptstadt Philipsburg
  • 41.000 Einwohner (ganze Insel: 72.000)
  • Von Kolumbus 1493 an Sankt Martin entdeckt und danach benannt
  • War karibisch, spanisch, französisch, niederländisch. Seit 1648 (die einzige) französisch-niederländische Landgrenze
  • Unter den bewohnten Inseln ist sie die kleinste mit geteiltem Staatsgebiet
  • Iconic: Maho Beach, der direkt am Anfang der Landebahn liegt und daher für Flugzeugselfies berühmt, -rüchtigt und -kannt ist. Witzige Skurrillität.
  • Auf der Insel gibt es die steilste Zipline der Welt. Tja.

Sonst so:

Unsere Hauptinsel diesen Urlaub mit  Ankunftsflughafen (Direktflug ab Amsterdam dank der niederländischen Zugehörigkeit) und großem Cruiseterminal (Platz für 6 Schiffe). Hat ein paar Hügel, noch mehr Binnenseen/Lagunen und Buchten und ist innen und außen mit Booten und Yachten jeglicher Größenordnung voll. Was superschön aussieht – Wasser mit Booten ist toll! Aus Neugierde haben wir mal eine Yacht ergoogelt: die Sixth Sense hat Platz für 12 Gäste, 19 Mann Besatzung, hat einen Kaufpreis von 90 Millionen Dollar und jährliche Betriebskosten von 9 Millionen Dollar. Verrücktes Zeug.

Der niederländische Teil wirkt verbaut. Die Hauptstraße ist für 10-15 Minuten dicht, wenn die Klappbrücke aufgeht, was tagsüber 1x/Stunde passiert.

Toll in diesem Kontext: der Sint Maarten Yacht Club direkt daneben. Es gibt leckeres Zeug und immer was zu gucken.

Sint Maarten hat „The friendly island“ als Motto und wirbt damit. In unserem Hotel sind alle wirklich nett. Anderswo nehmen wir es eher gemischt wahr, teilweise sehr kurzangebunden und abwesend, teilweise sehr freundlich bis zuckersüß. Angequatscht wird man auch viel wegen Timing Sharing Sachen und in Philipsburg zum Shoppen, aber ein Nein reicht als Antwort, das ist völlig okay.

Der Knaller im Positiven sind die Autofahrer: völlig entspannt und halten schon für Fußgänger, wenn die noch gar nicht wissen, dass sie über die Straße wollen. Wow. Sehr angenehm. – Man könnte witzeln, dass es daran liegt, dass sie wissen, dass es auch 10 Meter weiter nicht schneller vorangeht, was wahr wäre. 😀 Wie auch immer: sehr angenehm!

Gebäude sind gut in Schuss, nur ein paar sieht man noch, die nach Hurrikan Irma vor 6 Jahren nicht repariert wurden. Farbliche Gestaltung ist teilweise karibisch-bunt. Die Straßen sind kräftig mackig – kleine Autos mit großen Reifen, viel Bodenfreiheit und (wegen der Steigungen) starken Motoren und guten Bremsen machen Sinn, und mit kleinerem Gerät wie Fahrrad oder Moped möchte man nicht gern unterwegs sein.

Wasser und Sonne stehen ganz oben auf der To Do-Liste. Mit der Lage unseres Zimmers haben wir uns schnell angewöhnt, regelmäßig morgens vor dem Frühstück und abends nochmal zu schwimmen. Auch schön: im Schatten auf der Veranda Blick auf das Meer genießen – die Farben sind immer wieder ein Traum. Ausflüge aufs Wasser können uns aber nicht locken angesichts der anstehenden Segeltour, die meisten anderen Angebote klingen auch primär für Touristen gemacht und weniger spannend. Morgen geht’s dann auf das Schiff.

  • https://www.smyc.com/

Abenteuer des Tages: Busfahren

Ich starte den Tag mit einer kleinen, von Regenschauern erst durchbrochenen und dann begleiteten Joggingrunde, bei der ich die Gegend hinter unserem Hotel erkunde. Dank des Regens habe ich dabei wahnsinnig schöne Bilder: ein großer und doppelter Regenbogen über dem Meer, und Regentropfen im Gegenlicht der Sonne, die gerade durchkommt.  Wegen dem Regen außerdem keine Fotografiermöglichkeit dabei. Eine Schwimmrunde zu zweit folgt, vor Dusche, Frühstück und meiner Pediküre.

Dann so: Was tun? Mal in die Stadt, nach Philipsburg, von wo auch unsere Kreuzfahrt startet, wäre nett. Es gibt die Möglichkeit des Taxis für (vermutlich) 15-20 Dollar, oder man kann Bus fahren. Das ulkige an Bussen hier ist: es gibt Linien, Busse können sehr unterschiedlich aussehen und haben tendenziell die Größe eines Großraumtaxis, sie halten überall an der Strecke, wenn man sich bemerkbar macht, aber es gibt keinen Fahrplan. „Es fließt“, wie Einheimische sagen – ich hatte mich schlau gefragt und gelesen. Damit das Busfahren den Touristen leichter fällt, sind vor ein paar Jahren „Bushalten“ gebaut worden – die helfen, dass Busfahrer erkennen können, dass jemand mitfahren möchte. Sehr süß: viele davon haben Solarpanele auf dem Dach und USB-Ladebuchsen.

Man stellt sich also an der Strecke (nicht schwer) auf der richtigen Straßenseite (für mich auch leicht) in so ein Häuschen (ganz leicht, mit „Bushalte“ beschriftet) und wartet.

Bei uns kamen nach ein paar Minuten zwei Amerikaner dazu, die leicht anzuquatschen waren. Sie waren hier schon mal Bus gefahren und kannten das nicht nur aus der Theorie – sehr praktisch. Tatsächlich dauerte es dann keine 10 Minuten (ist aber Glückssache), bis ein Bus kam. Der uns über die „Hauptstraße“ nach Philipsburg brachte.

Im Bus: der Fahrer (eher ein ruhiger Typ), die zwei Amerikaner, wir beide, eine resolute, seniorige Einheimische und weitere wechselnde Passagiere. Mit den Amis hatten wir ab der Bushalte gequatscht, die Seniorin mischt sich ein, wann immer sie etwas beitragen möchte, und wir sind angesichts ihrer natürlichen Autorität versucht, mit „Yes, Ma’am“ zu antworten.

So kommen wir gut unterhalten und angeleitet in die Hauptstadt. Sie ist bekannt für ihr Cruiseterminal, Shoppingmöglichkeiten und den Strand. Aus Neugierde spazieren wir zum Kreuzfahrthafen, kommen natürlich nicht rein, aber haben eine Idee, wie es auf dem Weg dorthin aussieht: Freizeitpark, je dichter man kommt. In der Stadt eine Niedlichkeit: manche Geschäfte haben unterschiedliche Öffnungszeiten je nach „Cruise days“ oder „not cruise days“. Sonst völlig unverständlich, wie sich ein Juweliergeschäft an das nächste reiht. Philipsburg ist Freihandelszone und wird zum Shoppen gehyped, wir haben das nicht nachvollziehen können, weder an Auswahl (hab goldene Creolen gesucht) oder Preisniveau (Plantation XO war teurer als wie jemals bezahlt haben). Spannend: Original Sint Maarten Zigarren – das ist ein netter Versuch für den Bär.

Beim Aussteigen aus dem Bus hatten wir Anleitung für den Rückweg bekommen. Das Bus-Finden meistern wir so vorbereitet völlig einfach und werden zurück zu den Pelican Keys gefahren. Challenge: mastered! Und nicht geahnt, wie spannend Busfahren sein kann.

Eine zweite Schwimmrunde, Getränke und Essen mit Aussicht auf Meer und nette Schwätzchen mit anderen Gästen und unserer Security Scotland runden den Tag ab.

Ankommen

Um 21 Uhr (2 Uhr deutscher Zeit) fallen wir todmüde ins Bett. Gegen 7 sind wir wach, es ist hell, strahlend blauer Himmel, die Sonne geht hinter dem Haus auf und unsere Bucht liegt noch im Schatten.

Wir gehen ein halbes Stündchen schwimmen. Das Wasser ist herrlich und wir haben die kleine Bucht quasi für uns, nur am Ufer sind erste wenige Menschen. Das machen wir hier öfter. Vor Dusche und Frühstück, und vielleicht mit Joggen vorher.

Wir vergrößern heute zu Fuß unsere orientierenden Kreise. Frühstück gibt’s im Restaurant vom Hotel mit Obstsalat, French Toast und Frühstücksburrito. Der Kaffee ist eher schwierig, weil die Espressomaschine kaputt ist – dann probieren wir morgen was anderes. Die Aussicht auf immer sonniger werdende Bucht mit graubraunen Täubchen und einem Dutzend Strandläufern, die ihrem Namen alle Ehre machen, macht viel Spaß, und immer wieder fahren Schiffe durch – ganz in der Nähe ist eine Zufahrt in einen der Binnenseen, die reichlich als Yachthäfen genutzt werden.

Die „Hauptstraße“ kann man nur so nennen, weil sie Flughafen und Hauptstadt verbindet, ansonsten eher…. nicht. Wir finden erspähte Frühstücks- und Dinnermöglichkeiten und erfrischen uns in einem der Yachtclubs mit Blick auf die Klappbrücke, die den Binnensee für große Yachten erreichbar macht (und damit stündlich für eine gewisse Weile den Verkehr lahm legt).

Sehr süß die Begegnung in einem Kosmetiksalon, wo ich eine Pediküre verabreden möchte. Die Mitarbeiterin stimmt Details ab, möchte dann Kontaktdaten und eine Anzahlung, weil es wohl öfter vorkommt, dass Termine nicht wahrgenommen werden. Als die zuhörende Chefin bei der Telefonnummer mitbekommt, dass wir Deutsche sind, sagt sie, sie bräuchten keine Anzahlung. Wenn Deutsche sagen, sie kommen, kommen sie, das war eine felsenfeste Tatsache für sie 😁

Wetter, übrigens: Kälter als 22 Grad ist es nicht mal nachts, und die Sonne hat *wirklich* Foffo. So viel, dass ich mich freue, wenn mal ein Wölkchen da ist und ich mir zum Sitzen freiwillig einen Schattenplatz aussuche. Das will was heißen.

AMS > SXM

In Amsterdam ist morgens die größte Herausforderung, Tickets für den Zug zu bekommen, die es an unserem Bahnhof nicht ganz leicht zu finden gibt. Aber: gemeistert. In Schiphol selber geht dann alles sehr flüssig, und wir verbringen die Wartezeit wie geplant in einer Lounge.

Der Flug dauert etwas über 9 Stunden. Mit ein bisschen Lesen, Fernsehen, Spielen und viel Dameln geht die Zeit vorbei. Oh, KLM versorgt uns gut, ganze 4x gibt es was Kleineres oder Größeres zu essen und auch immer wieder Getränke. Übrigens war alles angenehm wenig bzw. Nachwachsend verpackt. Dazu hatte KLM seit langem mal wieder eine wirklich toll gemachte Sicherheitseinweisung, mit auf Porzellan gemalte Zeichnungen als Animation. Tolle Fluggesellschaft!!

Landung dann auf dem Prinzessin Juliana Airport in Philipsburg, Sint Maarten. Ich wette, wir wurden fotografiert – das ist die berühmte Landung über Maho Beach. Das haben wir aus anderer Perspektive schon oft fotografiert gesehen 🙂

Eine Stunde nach der Landung sind wir immigriert und steigen mit Gepäck ins (geteilte) Taxi. Die superkurze (4 km) Fahrt dauert eine dreiviertel Stunde – ich hoffe quasi, dass da ein Unfall war und das nicht Standard ist. Wir sammeln erste Eindrücke, vorallem: Verhungern werden wir nicht.

Das Hilton Flamingo liegt auf dem Pelican Key, direkt an Strand und Bucht und in Sichtweite der Landebahn. Ein Zimmer im Erdgeschoss finde ich erst doof, bis ich dann sehe: am Strand. Direkt am sandigen Strand. Das ist der Knaller.

Wir werfen uns in kürzere Klamotte und erkunden im letzten Abendlicht kurz das Hotel und die direkte Umgebung, kaufen Stärkungen und Drinks ein und machen es uns dann im Dunkeln auf unserer Veranda gemütlich.

Die Wellen sind lauter als Grillen und die Geräusche aus der Bar.

Learning lesson: Wenn hier beleuchtete Türme schwanken, sind das höchstwahrscheinlich Masten von Schiffen. Werden wir bei Tageslicht überprüfen.

Karibiksegeln: Der Plan

Was haben wir vor,
wie kamen wir darauf und
was erwarten wir?

Unsere erste „Versuchskreuzfahrt“ war vor 8 Jahren auf klassisch großem Schiff (MSC Orchestra mit 2.550 Betten) in den Emiraten und dem Oman. Ein geschätzter Kollege hat fast gleichzeitig mit Mein Schiff eine ähnliche Tour gemacht. Im Gespräch, was wir mochten (wenig) und was nicht (ziemlich viel), hat mich Manfred zum ersten Mal auf Starclipper aufmerksam gemacht und ich war angefixt.

Vor drei Jahren gab es von der ARD eine zehnteilige Doku über die Star Clippers-Schiffe, „Sehnsucht Segeln“ (aktuell leider nicht in der Mediathek verfügbar). Ich war noch mal mehr hin und weg und die Schiffe rutschten auf unserer Reiseliste immer weiter nach oben.

Star Clippers haben drei Großsegler, zwei 4- und einen 5-Master, und diese Schiffe sind einfach wunderschön. Mit der geringeren Größe hat so ein Schiff maximal 170 bzw. 227 Passagiere und fährt nach ganz anderem Konzept als die typischen Kreuzfahrtschiffe, kann zum Beispiel auch kleinere Häfen oder Buchten ansteuern, macht alles individueller, kleiner und als Segelschiff auch umweltverträglicher.

Es sind Schönwetterschiffe, im Sommer befahren sie das Mittelmeer, im Winter die Karibik und Mittelamerika. Eine Besonderheit hatte ich mir aus der Doku gemerkt, dass sich zwei Schiffe in der Karibik treffen und zusammen weitersegeln. Für mich als Fotografin das I-Tüpfelchen: ein Schiff unter vollen Segeln auch aus der Entfernung und nicht nur „von drauf“ sehen können, das wollte ich unbedingt. Dieses „Rendevouz auf See“ gibt es regelmäßig auf der Leeward und der Windward Tour. Über die Erreichbarkeit der Abfahrtshäfen (Sint Maarten mit Direktflug ab Amsterdam, Barbados nur indirekt über Paris oder London) hat sich schnell die Leeward-Tour auf der Star Flyer herauskristallisiert, und weil der Flug schon eine Strecke ist, haben wir insgesamt zwei Wochen geplant, von denen wir eine auf dem Schiff und je eine halbe vorher und nachher auf Sint Maarten verbringen.

Sind Maarten ist eine kleine Insel, beinhaltet die einzige gemeinsame Landesgrenze von Frankreich und den Niederlanden, hat den vielleicht berühmtesten Landeanflug der Karibik und klingt insgesamt nach einem spannenden, kulturellen Mischmasch, der Ankommen, Eintauchen und Entspannen leicht machen dürfte.

Eigentlich wollten wir nach Hawaii diesen Winter. Dass das nicht klappt, ist schade, aber die Karibik mit Segelschiff ist mehr als toller Ersatz, zumal: alles neu für uns! Richtig, richtig spannend!

Vor*gähn*freude

Es dauert nicht mehr lange. Nur noch packen, schlafen, einmal arbeiten, zum Flughafen fahren und auf dem Weg das Kätzchen ins Ferienlager bringen, Auto parken, nochmal schlafen und am nächsten Morgen nacheinander in Terminal, Lounge und Flieger. Bei 9h Flug und 5h Zeitverschiebung kommen wir schon am Nachmittag an.

Ich habe aufs Packen und die notwendigen Fleiß-To-Dos nicht viel Lust. Der extrem dunkle Januar steckt mir in den Knochen, zumal ich – weil aufgebraucht – seit wenigen Wochen kein Vitamin D genommen habe. Dachte, bis zum Urlaub geht das – falsch gedacht. So müde und drömmelig war ich lange nicht.

Aber ab Dienstag gibt es ganz viel Licht! Meine Trägheit müsste sich dann eigentlich ganz von alleine erledigen – auch wenn ich mir das jetzt noch nicht vorstellen kann. Ich erwarte, erstaunt zu sein, wie munter ich auf einmal wieder bin 🙂
Und spätestens am Samstag kommt dann das Schiffs-Adrenalin dazu <3

Cabrio: gecruist.

„Executive summary“:
2 Bären, 1 Frosch und 1 Auto
5 Länder
17 Tage
11 Hotels
3.631 km mit dem MXchen
224.000 Schritte (p.P.)
Unzählige Kugeln Eis, Eindrücke und Erinnerungen


Die Idee war, zwei Wochen mit dem Cabrio kroatische Küsten zu erkunden. Wir wollten ab Zuhause bis Dubrovnik und zurück – quite a trip. Wie war das für uns?

Mal wieder im kleinen Auto unterwegs zu sein, war toll. Das Gepäck war auf das Nötigste reduziert (127 Liter Kofferraumvolumen und kleine Fächer im Innenraum) – und manches immer noch zu viel. Die Blicke in die Landschaften, durch die wir gefahren sind, sind weit und schweifen frei. Von Sonne bekommen wir ja kaum genug – Ende September an der Adria war das Wetter quasi perfekt dafür, weil nicht zu warm. Im kleinen Auto waren wir zu zweit erfrischend selbstbestimmt und flexibel, das war mal wieder toll!

Wir sind insgesamt 3.631 km mit dem Auto gefahren und haben super viel gesehen. Nicht in unendlicher Tiefe – das gibt ein Roadtrip nicht her – aber in Breite bzw. Länge (wenn ich an die Küstenmeter denke). Land, Meer und Inseln, Städte und Dörfchen,Kiesstrände und Steilküsten, Seen und Wälder, Täler und Berge, moderne Kunst und alte Mauern, …

Die kroatische Küste mit den unzähligen vorgelagerten Inseln ist eine wunderschöne und besondere Landschaft, in der jeder Teil der abwechslungsreichen Geschichte auch kulturellen Spuren hinterlassen hat, deren Mischung ich im Vorfeld nicht so erwartet hatte. Was diese Geschichte mit den Menschen gemacht hat, habe ich nicht unfänglich herauslesen können. Als Gastgeber jedoch haben wir die Kroaten zu großen Teilen als aufmerksam und zuckersüß kennengelernt – das hat extrem viel Spaß gemacht.


Eindrücke ohne Ende, die Freude gemacht haben und uns lange und lebendig in Erinnerung bleiben werden.

Wir kommen wieder. Nicht wieder als Roadtrip, sondern mit einzelnen Zielen oder – am allerliebsten – als ‚Seatrip‘ auf einem Boot, weil: das kroatische Meer ist wunderschön und die Inseln bringen dazu einen charmanten und abwechslungsreichen Zauber, der für uns das Besondere an Kroatien ausmacht.

Quer… durcheinander

  • Manchmal ist mir Kroatien fast zu deutsch beschriftet.
  • Ein örtliches Spaßbad wirbt: „House of Draco – Water is coming“ 😀
  • MX-5 sind in Kroatien Exoten. Wir sahen insgesamt 3, alle mit ausländischen Kennzeichen, 2 am ersten Tag, 1 auf der Etappe nach Dubrovnik – danach nichts mehr. Alle grüßen süßerweise sehr wild winkend – kann man machen, bei so wenigen 😉
  • Benzinpreise sind staatlich bei 10,58 Kuna gedeckelt (1,41 €, später 10,49 Kuna). Tanken kann man.
  • Warum, zum Henker, denke ich beim Länderkennzeichen HR an Ungarn? Da musste ich echt umlernen. Strange.
  • Wenn ich von „Nachkriegszeit“ spreche, meine ich die nach dem hier zuletzt relevanten Krieg, nicht den 2. Weltkrieg.
  • Ich bin im ganzen Urlaub am Niesen, Räuspern, Husten. Mal mehr, mal weniger, teilweise kräftig am Stück, erst gegen Ende deutlich weniger. Womit man sich in der Öffentlichkeit ja seit Corona komisch fühlt und den Drang hat, sich zu entschuldigen und zu erklären – ich fühlte mich jedenfalls so. Hier hat sich nicht einmal jemand nach mir umgedreht und mein Husten wird missachtet – ungewohnt.
  • Überhaupt: Corona. Ganz selten mal sehen wir Masken, wenn an (meist älteren oder asiatischen) Touristen. Oder in Italien im Service.
  • Kroatisch ist für mich keine intuitive Sprache. Danke („Hvala“) sagen kann ich noch seit März, Guten Tag („Dobra dan“) kommt dazu, aber schon beim relevanten „Za dobrobit“ schlage ich nach und komme nicht dazu, es mir anzugewöhnen. Immerhin verstehe Grundzüge der Aussprache besser. Versuche jetzt, mir  „živjeli“ zu merken – es einmal ausgesprochen zu hören, hilft.
  • Hier sieht man deutlich mehr Raucher, als ich es im Deutschland gewohnt bin.
  • Wir wurden vorher extrem wegen Mücken gewarnt. Ich hatte wahrscheinlich mal einen Pieks, ging aber schnell vorbei. Mein Mann wurde mehr gestochen, aber nicht mehr als anderswo. Und der Bite-Away hilft.
  • Grado. Kleiner zauberhafter Ort auf einer Halbinsel, zwischen Venedig und Triest, Tipp einer seniorigen Schweizerin.

Unsere Unterkünfte

Nach persönlichem Mögen und Begeistertsein:

  1. Hilton Imperial Dubrovnik
    Wunderschönes Haus von 1897, toller und freundlicher Service, Frühstück mit reichlicher Auswahl, frisch, auch Spezialitäten. Mein Thun war nach dem ersten Happen legendär. Ich müsste nachdenken, wenn ich meckern sollte, und es fällt mir trotzdem nicht viel ein. Toll <3
  2. Beim zweiten Platz kann ich mich nicht entscheiden – diese sind gleichauf:
    • 16 Lakes, Nähe Plitvicer Seen
      Boutique-Hotel, guter Zustand, geschmackvoll, lokale Spezialitäten, tolle Ausstattung ringsherum, sehr netter Service
    • Boutique-Hotel Bol auf Brac
      Geschmackvoll eingerichtet mit Oliven, Holz, Steinen und Spiegeln als Hauptthemen. Verwinkelt gebaut vermutlich wegen Hanglage, sehr netter Service, feines Frühstück mit viel Auswahl und ein paar Highlights. Nach dem Hilton Imperial ein Downgrading, ohne abzustürzen.
    • Hotel Miramare, Crikvenica
      Schöner Altbau von 1906 direkt an der Promenade, saniert und clever und geschmackvoll mit Neubau erweitert, mit Spa, Indoor-Pool, Whirlpool. Schöne Frühstücksauswahl, freundlicher Service.
  3. Auch hier wird’s enger:
    • Art-Hotel Pfeffermühle, Ingolstadt
      Boutique-Hotel, „bunte“ Einrichtung, passiges Frühstück, guter bis sehr niedlicher Service, sehr praktisch in kurzer Autobahnnähe, bodenständige Küche.
    • Boutique-Hotel Bacvice, Split
      Der Narnia-Schrank-Effekt: wunderschön gemachte Hoteletage in einem etwas heruntergekommenen Wohnblock. Das alleine ist ein spezielles Erlebnis.Zuckersüßer Service. Beim Frühstück nur wenig angepacktes, obwohl sie nicht viele Gäste haben.
  4. Mehrere da:
    • Hotel Tamaris, Nähe Makarska
      Großes Haus, modern, geräumig und geschmackvoll, Service und Freundlichkeit sind nicht die große Stärke bis auf wenige Ausnahmen (die Ungarin im Spa war ebenso bezaubernd wie Kruno im Restaurant), der Restaurantbereich hat von der Einrichtung her Bahnhofshallenatmosphäre, Frühstück in Ordnung mit Highlights (Pancakebackautomat, Eierspeisen a la carte), direkt am Meer.
    • DoubleTree by Hilton, Triest
      Schönes Gebäude, besonders die Außenfassade, der Eingangsbereich, das Foyer und die Haupttreppe. Die Bar ‚Berlam‘ ist in jeder Hinsicht der Knaller: Einrichtung mit dunklen Kassettendecken, Marmorsäulen, Seidentapeten, großen Kronleuchtern, samtbezogenen Sesseln, auswendigem Parkett, dazu toller Service, Getränkeauswahl und -qualität. Das Frühstück ist fein, viel Auswahl, viel frisch. Zimmer, Flure und alles weitere haben eher funktionalen Schick und es fehlt Liebe zum Detail. Das Spa ist bemüht für ein Haus dieser Größe. Das Hotel an sich ist groß, aber im Einbahnstraßengewusel nicht gut zu finden – könnte besser organisiert sein.
  5. Villa Sky, Zadar
    Boutique-Hotel, vermutlicht ein Umbau und daher bisschen verbaut, guter Zustand, Frühstück in Ordnung (weniger abgepackt wäre schön), sehr toller Service, bisschen weit von der Innenstadt
  6. Hotel Lovran, Nähe Rijeka
    Boutique-Hotel, seeeehr schönes Haus, Frühstück mau, Service freundlich, direkt am Uferweg. Frühstück bestenfalls ‚bemüht‘, Renovierungszustand hat Potential.
  7. Hotel am Dom, Bamberg
    • Nicht angebockt, weil in vielerlei Hinsicht schlecht organisiert. Rezeption ist im Gasthaus schräg gegenüber und man fragt sich durch zu jemandem, der helfen kann. Parkplatz ist trotz vorheriger Nachfrage nicht vorhanden, und Frühstück wird abgesagt. Das Haus ist alt, Zimmer in Ordnung, aber es hallt laut aus dem Eingangsbereich. Hotelbetrieb ist scheinbar nur Nebenerwerb, so unwillkommen fühlen wir uns jedenfalls.

Was man hier isst und trinkt

Was ich noch nie so (regelmäßig) hatte:

  • Trüffel: der Weiße aus Istrien ist milder und damit für mich leckerer als der Schwarze, den ich bisher gelegentlich probiert habe, aber Begeisterung dazu nicht richtig verstehen konnte. So ist er ziemlich nice! Wir haben ihn getrocknet als Souvenir mitgenommen.
  • Mangold: gibts hier superoft als Beilage, fein. Gern mit Kartoffeln.
  • Fisch: muss man essen, wenn man an der Adria ist. Ich habs oft gemacht, wirklich öfter als sonst wohl, und es hat sehr gemundet: Thun und was hier meist „Weißfisch“ genannt wird. Das einzige, das so gar nicht für mich ging, war Hai. Bitter und merkwürdig. Keine Chance.
  • Kroatische Weine: die qualitative Spanne ist sehr breit. Nette Getränke gefunden, ’süchtig machend gut‘ war bisher keins.
  • Maraschino ist ein lokaler, klarer (!) Kirschlikör. Spannend.

Was ich lange nicht so hatte:

  • Eis: ich habe lange nicht überall um mich so verdammt gutes Eis bekommen, extrem cremig und soft und geschmacklich frisch und toll kombiniert. Warum sollte ich jemals wieder anderes Eis essen? Warum können die das in Deutschland nicht so? Ich werde mich seriös mit dem Thema beschäftigen *müssen*, das *kann* so nicht bleiben. – Gelatiere ist ein auch ein würdiger Titel.
  • Gnocchi: sind jetzt nicht sensationell, aber für mich unerwartet oft als Beilage oder Gericht dabei.
  • Raki: passt. Ist variantenreicher als bisher bekannt.
  • Ciabatta: *seufz* Manche Sachen können Italiener einfach besser und haben es in Kroatien wohl verbreitet.
  • Ich glaube, ich habe das erste Mal einen Pinot Grigio der höheren Qualitätsstufe getrunken, von der ich bisher nur gelesen hatte – alle Bemühungen, etwas der Art zu bekommen, waren bei uns gescheitert. In Triest am ersten Abend beim Essen bestellt und überrascht – farblich fast ein oranger Rosé, schön fruchtig und voluminös.
  • Pasta Carbonara: die italienische Variante ist einfach die tollere. Besonderer Pfiff: mit Pancetta (glaube ich stark – werden wir ausprobieren)

Schlafen und essen wie in Königsmund

(wie die Schauspieler und Crew)

Oder: was für ein schönes Haus!

Wir hatten eine Woche vor Abreise noch ein Angebot für *das* Hotel in Dubrovnik gesehen und die Gelegenheit genutzt, so dass wir 5min von der Altstadt einquartiert sind, wo Jon Snow, die Lennisters und die ganze Crew geschlafen haben.

Das Hilton Imperial Dubrovnik ist innen wie außen genau so feudal und herrschaftlich, wie es klingt – macht viel Spaß. Wir haben ein Zimmer mit Blick auf die Stadtmauer. Unser Autowagen wurde zum ersten Mal in seinem Leben vom Parkservice weggefahren *großeaugen*

Adriatischer Thun. Geil.

Wahrscheinlich der bisher beste Thun meines Lebens. Ich bin überschwänglich. Unser Kellner sagt, die hier können es viel besser:

https://tunabartrpanj.com/

Cruising the Coast

Tag 6: Küste mit Splitstop (206 von 207 km bis Makarska)

Heute ganz viel Cruising the coast, mit Start im zauberhaften und lieb gewonnenen Zadar, Zwischenstop in Split und Ziel Makarska. Die Adria zeigt sich wunderschön in strahlendem Türkis bis zu verschiedensten Schattierungen von tiefem Blau, und wieder Türkis, und wieder Blau – es ist schon nach dem ersten Tag quasi nicht zum Aushalten. Die vielen Inseln vor der Küste tun ein übriges für die Schönheit des Anblicks. Wir kringeln uns die Küste entlang, teilweise quasi direkt neben dem Wasser, teilweise obendrüber, teilweise weiter entfernt, so dass man es gar nicht sieht oder ahnt. Was in der Plitvicer Gegend Honig und Käse war (im Sinne von: Verkaufsbüdchen am Straßenrand), ist auf der heutigen Strecke Knoblauch, und auf den Feldern gesellen sich Olivenbäume zu Weinreben – hat ein bisschen was von Spanien.

In Split machen wir Halt für eine kurze Stärkung, die wir mit Bruschetta neben dem Diokletianspalast umsetzen. Als Nachtisch gibts seeehr tolles Eis in/neben dem Palast – und überhaupt macht dies sehr Lust, nach dem kurzen Reinschnuppern in ein paar Tagen zurückzukommen.

Unser Quartier etwas südlich von Makarska ist ein „richtiges“, großes Hotel. Es ist reichlich und unerwartet windig hier – kommt das von den Bergen östlich runtergeweht?!? Nach einem Spaziergang an der kleinen Uferpromenade, Abendessen und Drinks geht es ins Bett. Draußenspielen und so.

Notiz für den Inhaber: Testament Winery ist keine gute Namenswahl.

  • https://www.tripadvisor.de/Restaurant_Review-g295370-d24096410-Reviews-Gelateria_Amare-Split_Split_Dalmatia_County_Dalmatia.html