Essen in Soroa – Tue Mar 08 08:00

Wir essen auf unserer innenliegenden Veranda, umgeben auf zwei Seiten von hängenden Orchideen (leider keine Blühende) und auf einer von einem großen, bunten Croton-Busch, wie in den Erzählungen von Michener.
Zum leckeren (frittierten?) Schwein gibts Reis (ohne Reis ist es kein Essen für Kubaner), etwas grünen Salat mit Radieschen und Möhren in dünnen Scheiben, Kürbis in Sternform, Kartoffelchips, davor eine Nudelsuppe.

Zum Frühstück gibts hier Milch und Kaffee, Mangosaft, das typisch luftige Brot, Butter, Honig aus einem Bärenspender, Tortilla mit Zwiebeln und Tomate, Baguette mit Käse und Schinken und einen Obstteller mit Ananas, Banane und in Sternchenform geschnittener Papaya. Alles für jeden einzeln portioniert und angerichtet.

Die ganze Familie, bis auf den Junior, hilft beim Servieren, das heisst Oma, Opa und Mutter stürzen immer gleichzeitig mit diversen Tellern zu uns. Seeehr knuffig.

Soroa – Mon Mar 07 18:00

Heute dann Fahrt nach Soroa, auch für zwei Nächte. Auf dem Hinweg einen Stop in Pinar del Rio versucht, aber: in die Zigarrenfabrik durfte man keine Tasche mitnehmen, nicht fotografieren, und die ganze Welt drumherum wollte einem Zigarren anderswie/anderswo verkaufen. Das war nicht sympathisch, also sind wir nach wenigen Minuten zurück zum Auto und weiter gen Soroa gefahren. Großteils Autopista, die beste Straßen hier auf der Insel, aber auch das heißt: Löcher, Spurrinnen, Macken in der Straße, ebenso wie Anhalter, Fuhrwerke mit Pferd und Fahrräder auf der Straße. Da es nur sehr wenig Verkehr außerhalb der Städte gibt, ists nicht so schlimm, wie es klingt. Aber bei 80 km/h gibts dann Geschwindigkeitsrausch und alle Entfernungen dauern länger, als man es bei uns kennt. Muss man einplanen.

Soroa ist ein minikleiner Ort, unsere Casa Los Helechos finden wir trotz komischer Anschrift gut und leicht. Zum ersten Mal haben wir es hier mit jemandem zu tun, deren Englisch und Deutsch deutlich schlechter ist als mein Spanisch, da nicht vorhanden :). Mit dem, was ich kann, und ihrer – in einem Schreibheft handgeschriebenen! Super süß! 🙂 – Vokabelliste finden wir alles heraus, was nötig ist – juhu! Wir melden uns für den Abend zum Essen (Schweinefleisch, der Rest wird eine Überraschung) an und bestellen Frühstück für 8 Uhr. Das mintfarbene Zimmer ist nicht so super schön und nicht perfekt sauber wie in Vinales, aber völlig in Ordnung. Ich mag die kleine Eidechse im Bad und unseren Sitzplatz draußen, wo wir auch essen werden.

Was macht man am Nachmittag?
Orchideengarten, Castillo mit Aussicht und Wasserfall klingen nett. Ist alles nicht weit weg, also gehen wir zu Fuß. Dass es bergauf gehen würde, hatten wir nicht bedacht, und alles zusammen kommen wir auf einen 10 km Marsch, der es mit dem Anstieg in sich hat, mal so eben. Das Castillo ist voll süß! Würden wir sofort als Ferienwohnung in Südtirol nehmen. Wird aber gerade zu einem Boutiquehotel umgebaut. Der Orchideengarten/Park ist toll angelegt und hat wundervollen alten Baumbestand; macht viel Spaß, durchzustromern! Der Salto – naja, war halt auf dem Weg und ist nett, aber die 22 Meter können uns nicht flashen.

Schon erwähnt? OpenStreetMaps ist super!

Dusche mit lauwarmem Wasser, bisschen ausruhen, und dann gibts Abendessen.

Vinales mit Zigarren und Aussicht – Sun Mar 06 17:30

Tolle Touren heute. Zuerst mit Alexis direkt in die Umgebung, mit einer wirklich netten, europäisch gemischten Gruppe (zwei Dänen, zwei Holländer, vier Briten zu und wir), in der gescherzt und politisiert wurde („wollt ihr uns (=UK) dabei haben?“). Alexis gehört zu denen, denen man Paderborn mit dem Aufstieg des SCP erklären kann – auch hier zwischen Tabakfeldern in Westkuba ;). Viel gehört zu Vegetation, Tabakanbau und Zigarrenproduktion, Hoffnungen und Problemen, Zigarre gepafft (auch ich, first time ever! Den Geschmack auf der Zunge mag ich nicht, den Duft schon) und mehrere gekauft (beim Erzeuger), Pina Colada getrunken. Toll.
Die Briten könnten wir in Trinidad wiedertreffen – das wäre sehr cool. Diese junggebliebenen Rentner machen viel Spaß, Carol mit rosafarbener Mütze mit Flamingoanstecker und spitzen Bemerkungen über ihren Premierminister. Love her.

Später dann wollten wir – in dem Fall: ich – eine schöne Aussicht auf das Tal von Vinales, da wir morgens nur durch gelaufen waren. Es gab vier Tips von unserem Osmany, und der erste war – zumindest für wanderfreudige Deutsche wie uns – in Fußwegreichweite. Also los. Mit allen Pinas und Bieren sollten wir nicht mehr fahren. 🙂 Hin durch Felder (Tabak, Mais, allerhand kartoffelige Wurzelgemüse), dort traumhafte Aussicht auf das Tal mit Kaffee, Saft und Bier und zurück durch einen Fichtenwald. Netter Marsch. Kurz vor der Rückkehr nach Vinales haben wir Kinder getroffen, bei denen einige unsere Mitbringselgeschenke gut aufgehoben waren. Zuhause in der Casa entspannen unsere Füße vor dem Abendessen, mit Cuba Libres in ‚unseren‘ Schaukelstühlen. Kubanische Verandas sind bunt wie die Häuser (wenn man an Farbe kommt), liegen nach vorne zur Straße und sind immer mit Schaukelstühlen bestückt. Wie gesagt: das Wohnzimmer ist auf der Straße.

Apropos: Open Street Maps ist fantastisch für Kuba! Damit kann man gut laufen. Bin Fan geworden.

Übrigens: unsere Vermieter/Taxifahrer/Touristenführer hatten bisher allesamt studiert und sind gut gebildet. Aber im Tourismus verdient man besser :/ Dies Land hat Potential, reichlich! Bildung ist nicht der Schwachpunkt.

Nochmal übrigens: Spanische Vokabeln lerne ich weiter mit Babbel.
Hier vor Ort erkenne ich einiges, aber manches wird kräftig verschluckt und dauert beim Wiedererkennen.

So ohne Internet ist die Welt sehr weit entfernt. Schöne Variante. Und Entzug funktioniert. 😛
Auch wenn ich gern für Bologna und London zwei-drei Sachen nachschauen würde…
(Vorhin kam die SMS mit Tarifinfo zu Kuba auf meinem Handy an. Hm.)

Heute abend folgen wir der britischen Empfehlung in eine Pizzeria. Da gibts nach deren Aussage die beste Pina Colada. Müssen wir testen, und wenn es das letzte ist, was wir (…heute…) tun 😉

Vinales ♥ ! – Sat Mar 05 21:30

Wir haben Vinales lieb.
Das Dinner auf einem Hügel über dem Tal der Stille in der Finca agro-ecologica El Paraiso war DER WAHNSINN. Auch beim Getränk sind wir Osmanys Empfehlung gefolgt: Der Haus-Cocktail Antistress ist eine leckere Pina Colada Variante (Merke: Kubaner trinken ihre Pina Colada weniger süß und mit Zimtpulver obenauf – muy rico). Danach wurde ohne weitere Auswahl serviert, was sie da hatten, insgesamt 20 (!) Teller oder Schüsseln mit Huhn, Lamm, Schwein, Fisch, Suppe, Kartoffel-Chips, Kürbis, Süßkartoffel, Tomate, Gurke, Kohl, Reis mit schwarzen Bohnen und anderem Gemüse und Salat. Mengenmäßig hätte es für 8 Esser gut gereicht, wir hatten keine Chance (und das gehört wohl dazu). Wir haben ein Foto, sonst glaubt das keiner. („Da haben“ hieß übrigens auch: selbst gezogen oder angebaut.)
Dass sie gut zu ihren Hunden und Kätzchen sind, passt in das tolle Gesamtkonzept.
Und, oh: für den Cocktail wollten sie (umgerechnet) etwa 3 EUR, für das Essen 10 pro Person. Unglaublich.
Felis.
Und pappsatt.

Vinales ♥ – Sat Mar 05 16:30

Vinales hat uns lieb.
Voll schöne Unterkunft in kräftigem Orange, mit fließend-heißem Wasser und auch sonst voll ausgestattet (juhu! Haare waschen!) und alles gut in Schuss. Unsere Wirte lachen viel. Osmany ist der örtliche Partner unserer Reiseagentur und hat toll klingende Tips für Dinner heute und Tour morgen, und er meldet uns für beides an.
Der Ort ist klein und sympathisch weil: überschaubarer und irgendwie aufgeräumter als Havana. Nicht so anstrengend. Die Versorgung scheint einfacher zu sein.
In der Tapasbar, in der wir uns stärken, gibt es einen hiiiimmmmlischen Mangosaft. Hab das Örtchen jetzt schon in Herz geschlossen.

Der Weg hierher: wir haben in Havanna Zentrum unser Auto in Empfang genommen (hatten schlimme Geschichten gehört über 2h Taxifahrt zum Flughafen Varadero, wo das reservierte Auto abzuholen sei – aber bei uns hat es nur einen kleinen Fußweg und eine knappe dreiviertel Stunde gedauert!) und den Weg aufs Land gesucht.
Und gefunden: Land hat es viel, klein und kleiner und arm – aber irgendwie alles sehr beschaulich. Die Straße wurde zwischendurch sehr grottig (Höchstgeschwindigkeit 30 km/h), die Landschaft abwechslungsreich und verheißungsvoll. Zweimal haben wir uns merkwürdig wirkende Anquatschversuche erfolgreich abgewehrt, und unsere Wirte haben sehr bei den Geschichten gelacht, da fühlt es sich gleich harmloser an. Außerdem erklären sie, dass es dabei darum ging, in unser Auto zu kommen und dann zu versuchen, uns etwas anzudrehen. Auch das verharmlosts nochmal.

Havanna #2 – Fri Mar 04 20:00

Wieder einen ganzen Tag durch die Stadt gelaufen. Havanna ist voll der Gegensätze: tolle Ecken – fast zusammenbrechende Gebäude. Armut – großteils gut gekleidete Menschen. Kunst & Kultur in Unmengen von Museen – aber kaum normale Einkaufsmöglichkeiten. Es fällt schwer, das zu genießen. Ich weiss genau, warum ich Hawaii liebe. 😉
Die Nekropole war berührend, beeindruckend. Drama können sie schon lange hier.
Wasser kauft sich erstaunlicherweise schwerer als Cola oder Rum, und: ja, es gibt auch Coca Cola auf Kuba.
Freundliche, hilfsbereite Kubaner fast überall, man macht uns Platz, um unser Geld auszugeben. Natürlich versucht man manchmal, uns über den Tisch zu ziehen, aber wir sind aus kubanischer Perspektive quasi Millionäre.
Sozialismus funktioniert nicht. Anschauliches Beispiel war heute ein Straßenfeger auf der Plaza Vieja. In all der Zeit, die wir ihn bei unserem entspannten Essen gesehen haben, hat er seinen Besen zweimal kurz angefasst, ohne ihn zu benutzen.
Cuba Libres gabs ein paar, Daiquiries mussten wir trinken in der Bar, in der sie angeblich erfunden wurden. Waren nicht so toll wie ihr Ruf.
Für Zigarren war man uns in dem eigentlich ausgesuchten Laden zu unfreundlich.
Den Malecon lang, schön zu laufen; Sonnenuntergang bot sich heute nicht an.

Havanna #1 – Thu Mar 03 19:00

Der Tag war intensiv. Viel gesehen, gehört, gerochen. Süchtig bin ich noch nicht (Mitbewohner in unserer Casa waren nach wenigen Tagen schon sicher, wiederkommen zu wollen), aber ein paar schöne und/oder sympathische Seiten hat die Stadt gezeigt. Erinnert teilweise an Leipzig, mit Vorher/nachher Bildern – sehr, sehr krass. Wird und wurde viel gemacht, und das ist gut so. Der Stadthistoriker (komische Jobdescription) macht einen wirklich guten Job, in dem er in touristische Objekte investiert und die Einnahmen daraus etwa zur Hälfte auch in soziale Objekte (Schulen, Altersheime) steckt.
Was so?
Beim zweiten Versuch ins richtige Taxi eingestiegen – ähem.
Alte, farbige Kubanerinnen posen gern mit Zigarren. Müsste ich nochmal hin, jetzt, wo wir Kleingeld haben.
Junge Kubanerinnen tragen Nylonstrümpfe mit Mustern. Vor allem zur Uniform und wirklich kurzen Röckchen. Ts.
Es gibt viele Katzen und Hunde. Ein erstes gatito war streichelfähig.
Cuba Libre an der Bar vom Dos Hermanos neben dem Havana Club-Rum-Museum. Dabei dem Barkeeper beim Mixen zugesehen.
Snack, Caipirina und Pina Colada especial auf dem Dach von Hemingways Ambos Mundos genossen, mit Aussicht.
Mehrfach heute: Schulklassen zum Sport auf öffentlichen Plätzen. Toll.
Die alten Schlitten sind echt geile Teile! Am liebsten mit Apple-Aufkleber auf der Heckscheibe, und gern mit amerikanisch beflaggten Duftbäumchen. Aber fast lieber auf Foto als in echt: die Abgase sind krass fies. Das kann nicht gesund sein.
Ches Bild nicht überall, aber immer wieder. Sympathisch: es gibt ihn auch lächelnd mit Zigarre und nicht nur ernst wie das bekannteste Konterfei.
Musik überall und Tanz auch gern – mag ich! Kubaner sind hilfsbereit, quatschen gern kollektiv mit.
Apropos kollektiv: das erstaunt mich am meisten: positive Folge des Kommunismus ist, dass man gewohnt ist, Dinge miteinander zu machen, sich zu helfen. Ein Wohnzimmer auf der Strasse. Von dem Miteinander könnte mancher etwas lernen.
Für 7 CUC (ähnlich USD) eine Flasche Rum und zwei Dosen Cola erstanden. Drinks für den Abend.

Das wundervollste, ergreifendste des Tages: eine Farbige mit Gitarre, die auf der Plaza Viaje den Klassiker über Commandante Che Guevara singt. Ich glaube ihr *jedes* *einzelne* Wort, es treibt mir Tränen in die Augen. Mit dieser Erinnerung und ein paar Cuba Libre gehe ich heute schlafen.

Frühstück, Havanna – Thu Mar 03 09:00

Rührei nach Wunsch, Weißbrot mit Luft und Zeugs drauf, Papaya, Banane, Ananas, Osaft. Mit zwei Deutschen, die seit Sonntag hier sind und klingen, als wären es drei Wochen.

Ein bisschen ist der Großstadt-Schock wie in Bangkok, obwohl längst nicht so hektisch, aber dennoch im ersten Moment ist vieles sehr fremd, laut und stinkend. Wir haben es gut in Deutschland. Bin froh über unsere Entscheidung, für den ersten Tag eine Stadtführung zu buchen. Zum Ankommen wird das helfen.
Mal schauen, ob die Abholung klappt.

Aufwachen in der Casa, Havanna – Thu Mar 03 07:39

Gut geschlafen, in einem kräftig mint gestrichenen Zimmer, unter einem Laken und einer Sofadecke. Bunt ist hier einiges. Salsamusik aus der Nachbarschaft hat uns beim Einschlafen begleitet, Geräusche hat man sowieso viele, von Menschen, Tieren, Autos. Die Casa ist nett, die Gegend nicht so schön, und ziemlich ab vom Schuss.

Morgens haben wir den ersten Stromausfall.

Unser Mi-Band hat die Zeitumstellung nicht verkraftet 😛

Da. Geduscht. Varadero & Havanna – Thu Mar 03 00:42

Nach der Landung übt man sich auf Kuba im Schlange stehen: Passkontrolle, Gepäckkontrolle, Zollabfertigung (unkompliziert, aber eben mit Anstehen), Geldwechsel, Taxisuchen. Nach etwas über einer Stunde sitzen wir im Taxi nach Havanna, von Flug, Zeitverschiebung und dem Klimawechsel k.o. und etwas doof im Kopf.
In Deutschland wäre es jetzt nach Mitternacht, hier hab ich frisch geduscht und wir gehen gleich zum Essen.
Oh, unser Quartier. Casa Albici ist eine echte Herausforderung für Taxifahrer, wir näherten uns in konzentrischen Kreisen und er fragte regelmäßig Menschen. Moises ist hier unser Wirt, begrüßt uns, versorgt uns mit Bier und Wasser und bringt uns in unser Zimmer. Sauber, riesiger Balkon, frisch gebautes Bad, aber noch ohne Spiegel, Haken oder Mülleimer. Klopapier gibt’s auf Nachfrage. Ob wir zu Abend essen möchten, Hummer oder Huhn? Wir haben uns für Huhn entschieden. Erstmal was vertrautes.